Beantra hieß unser Schiff – ein Plattbodenschiff mit zwei Masten, das 1898 gebaut wurde, um Rüben, Getreide und Sand durch Friesland zu transportieren. Heute werden viele dieser ehemaligen Transportschiffe für Klassenfahrten und Gruppenreisen genutzt. In den Kajüten gab es jeweils zwei oder drei Kojen. Die Zimmeraufteilung stand bereits vor der Fahrt fest. Herr Knepel und das Organisationsteam hatten alles gut vorbereitet, sodass kurz nach unserer Ankunft bereits der Lieferant des Supermarkts JUMBO eintraf. Gemeinsam bildeten wir eine lange Kette, die bis in die Küche reichte, um die Einkäufe an Bord zu bringen. Dann konnten wir endlich in See stechen. Die Route richtete sich nach dem Wind. Besonders die holländischen Hafenstädte mit ihren Backsteinhäusern und charakteristischen Giebeln beeindruckten uns.
Das IJsselmeer ist ein großer Binnensee im Norden der Niederlande, der durch den Bau des Abschlussdeichs entstand. Sturmfluten hatten in der Vergangenheit zu großen Überschwemmungen geführt. Der sogenannte Abschlussdeich wurde zwischen 1927 und 1932 gebaut. Das IJsselmeer ist im Durchschnitt nur vier Meter tief und speist sich aus den Flüssen, wobei die IJssel der größte Zufluss ist. Der Damm hat zwei Schleusen. Über eine von ihnen gelangten wir bereits am ersten Tag ins Wattenmeer.
Im Wattenmeer mussten wir stets in der Fahrrinne bleiben, um ein Auflaufen auf Sandbänke zu verhindern. Während andere Schiffe sich bewusst Sandbänken näherten, um bei Einsetzen der Ebbe aufzulaufen, ein Vorgang, der als Trockenfallen bezeichnet wird, fuhren wir weiter zur Insel Texel. Dort erkundeten wir Orte wie Den Burg und De Koog sowie den langen Sandstrand mit seinen Dünen.
Auf unserer Fahrt durch das Wattenmeer konnten wir außerdem Seehunde und Schweinswale beobachten. Anschließend steuerten wir die Hafenstadt Medemblik an. Bevor wir die Stadt erkundeten oder baden gingen, füllten wir unsere Vorräte auf. Mit Bollerwagen und vielen Taschen ging es anschließend durch die Altstadt zurück zum Schiff. Jeden Tag gab es eine andere Arbeitsgruppe. Diese war für Kochen und den Abwasch zuständig. Neben der Arbeit an Deck blieb auch viel Zeit für Spiele, Bücher und das Sonnen auf dem Deck. Nach einer sternenklaren Nacht in Medemblik segelten wir quer über das IJsselmeer. Da der Wind nicht aus der gewünschten Fahrtrichtung kam, mussten wir „kreuzen“ und im Zickzack-Kurs fahren. Dabei wurden die Segel immer wieder neu eingestellt.
An einem windstillen Tag machten wir eine Badepause. Über Leitern konnten wir direkt vom Schiff ins Wasser steigen, und einige sprangen sogar vom Klüverbaum ins Meer. Im Klüvernetz unter dem Bug zu liegen, während das Schiff durch das Wasser glitt, war für viele eines der schönsten Erlebnisse der Fahrt.
Unser Schiff fuhr unter einer friesischen Flagge, deren Wasserlilien-Symbole uns schnell auffielen. Am letzten Abend grillten wir gemeinsam an einer Mole bei Lemmer. Würstchen, Grillkäse, Gemüse und Mais sorgten für einen gelungenen Abschluss unserer Reise. Der ein oder andere Sonnenbrand wird abklingen, die Erinnerung aber bleiben.
verfasst von Martin Wähmer, redaktionell bearbeitet


